Der Gedanke, einfach wieder in alte Muster zu verfallen, zu bereits betretenen Wegen zurückzukehren, ist oft sehr verlockend. Wie viele ihn schon gegangen sind!

Ich denke da nur an den Großkanzlei-Partner, den ich beim Tauchen kennenlernte und der mir mit einer ungeheuren Begeisterung vom Segeln erzählte. Das „Sabbatical“ (eine dreimonatige Auszeit), das er nach fünf Jahren Partnerschaft in der Kanzlei nehmen durfte, genoss er sehr und die Rückkehr in die Kanzlei fiel ihm äußerst schwer. Segeln sei seine Leidenschaft, doch leider verdiene man dabei nicht viel (oder nur in den seltensten Fällen). Deshalb habe er sich entschlossen, Jura zu studieren… und dabei zu bleiben.

Warum andere sich dafür entscheiden, Wirtschaftsprüfer in einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu werden (und es zu bleiben) erfuhr ich von einem anderen Tauchbekannten. Er hatte sich ersichtlich bereits mit Ausstiegszenarien beschäftigt, bemerkte aber mit glänzenden Augen, sein Job erlaube ihm wenigstens das hier: einen Urlaub in einem Luxushotel in (Süd-)Italien. Das ist dann wohl alles eine Frage der Prioritäten.

Lustig war die Entwicklung der Konversation, als mir der Wirtschaftsprüfer beim Plaudern berichtete, er kenne eine Juristin, die sich sechs Monate Auszeit nehmen wollte um zu tauchen, jedoch nicht wieder zurückkehrte, weil sie seither als Tauchlehrerin durch die Welt jettet. Ich meinte, das fände ich durchaus auch attraktiv, allein, mir sei das finanziell nicht nachhaltig genug, weil man nun einmal als Tauchlehrerin nicht sehr viel Geld verdiene und auch keine Pensionsansprüche erwerbe. Daraufhin bemerkte er ganz trocken mit typisch britischem Humor: „Dann musst Du einfach das Risiko erhöhen, so dass Du erst gar nicht ins Rentenalter kommst.“

Nun, irgendwie ist das ja auch keine Lösung. Einen interessanten Aspekt enthält diese ohnehin nur scherzhafte Bemerkung indes durchaus: den der nur begrenzten Planbarkeit der eigenen Lebensdauer. Und da wären wir wieder beim Tod und seiner Bedeutung für das tägliche Leben bzw. für Lebensentscheidungen. Geht es bei den wesentlichen Entscheidungen im Leben am Ende um reine Risikoabwägung?