Elvis ist tot. Selbstverständlich beziehe ich mich nicht auf den King of Rock ’n’ Roll, das wäre ja keine Neuigkeit. Nein, Elvis, unser treuer Freund, der Langhaardackel.

Er zog an einem 8. Januar bei uns ein, dem Geburtstag seines Namensvetters. Sein Auftrag war vor allem, meine jüngere Schwester über die Trennung unserer Eltern hinweg zu trösten. Damit war er natürlich heillos überfordert, doch er tat sein Bestes. Sei es, dass er gemeinsam mit seiner großen Freundin Miss Marple, unserer Katze mit den älteren Hausrechten, Geburtstagskuchen vom Geschenktisch stahl, sei es, dass er sich unauffällig an den nicht für ihn gedachten Fressnapf heran robbte, sich vermeintlich nur auf dem Boden wälzend und bloß nebenher die Schnauze kurz gen Fressnapf richtend, oder dass er mit wehenden Ohren durchs hohe Gras hüpfte wie ein Hase. Wenn er sich über die Ankunft von Besuchern freute, wackelte nicht nur sein Schwanz, sondern „der ganze Hund“, wie eine Freundin einmal anmerkte. Er war ein fröhliches Kerlchen und heiterte unsere kleine Welt deutlich auf. Nur die Kirchturmglocken, die waren ihm nicht sehr geheuer. Wenn sie zu läuten begannen, brach er in ein lautes Gejaule aus. Er zelebrierte das zunehmend und ich gewann hin und wieder den Eindruck, dass er seine Gesangseinlagen genoss. Vielleicht steckte ja doch ein Stück King in ihm.

Als meine Schwester flügge und es mit dem Laufen bei meiner Mutter schwieriger wurde, zog Elvis kurzerhand um. Seither lebte er in einer fremden Stadt bei einer Freundin meiner Mutter. Vorbei waren die Zeiten der Genügsamkeit, endlich kam ihm der Status zu, der ihm gebührte (man munkelt, er habe gar ein Foto-Shooting gehabt). Ich bin nicht sicher, ob er auch die Leidenschaft für Drogen mit seinem Namensvetter teilte, jedenfalls hatte er im höheren Alter deutliche Gewichtsprobleme. Seiner Gesundheit hat es offenbar nicht geschadet: unserem Elvis war mit 18 Jahren ein äußerst langes Hundeleben vergönnt.

Im vergangenen Sommer hatte ich eines Nachts von ihm geträumt. Eine Freundin riet mir daraufhin, mich nach ihm zu erkundigen. Ich vergaß es wieder. Erst vor Kurzem erfuhr ich dann von seinem Ableben, das jedoch schon einige Monate zurück liegt. Vielleicht hatte er sich ja doch verabschiedet. In jedem Fall war es schön, dass er bei uns war. Farewell, old friend.